Akademische Basiskompetenzen

Ihr empfindliches Zusammenspiel
und ihre Gefährdung durch KI-Gebrauch,
dargestellt im 3D-Modell

KI-Gebrauch bei den Schreibaufgaben im Studium birgt persönliche und gesellschaftliche Gefahren, behindert den Kompetenzerwerb und entwertet die Bildungsabschlüsse. Das 3D-Modell zeigt, welche Basiskompetenzen im Studium erworben und ausgebaut werden. Sie sind zeitloses Vermittlungsziel (also auch unerlässliche „Future Skills“) und für jedes Hochschulstudium grundlegend. Die spezialisierteren Studieninhalte bauen darauf auf.

Lesen, Schreiben, Denken, Wissen und Ethos bilden die Eckpunkte des Modells. Sie stehen miteinander in gegenseitiger Abhängigkeit. Daher sind an jeder Kante des Deltaeders zwei anklickbare Erläuterungen verankert (a unterstützt b; b unterstützt a). Mit gedrückt gehaltener Maustaste (oder einem Finger auf dem Touchscreen) lässt sich der Deltaeder nach Belieben drehen. Die Texte sind als Denkanstöße zu verstehen. Auf Quellenangaben wurde bewusst verzichtet.
Mit „KI“, „Künstliche Intelligenz“, sind Chatbots gemeint, die auf Großen Sprachmodellen basieren, responsiv auf Nutzeranfragen reagieren und Texte generieren, redigieren und komprimieren. Berücksichtigt wurden die KI-Nutzungsarten Informationsbeschaffung per KI, KI-Textauswertung, KI-Gliederungsvorschläge, Ideenfindung per KI, KI-Texterstellung und KI-Textbearbeitung.

Mit gedrückt gehaltener Maustaste (oder einem Finger auf dem Touchscreen) lässt sich der Deltaeder nach Belieben drehen. Die Markierungen sind anklickbar und erläutern die Relationen zwischen den Basiskompetenzen. Die Texte sind als Denkanstöße zu verstehen. Auf Quellenangaben wurde bewusst verzichtet.

Wissen > Denken

Wissen unterstützt das Denken.

Die als „Google-Effekt“ bezeichnete Annahme, man müsse sich heute nichts mehr merken, da sich alles im Internet jederzeit wieder nachschauen lasse, hat durch KI-Auskunfteien eine neue Dimension erreicht. Die Annahme ist jedoch nicht nur deshalb falsch, weil KI-Auskünfte ihrer Natur nach unzuverlässig sind, sondern weil dabei außer Acht gelassen wird, dass Wissen die Grundvoraussetzung sinnvollen Nachdenkens ist.

Fundament: Der Erfolg eigener Denkanstrengungen beruht auf der eigenen Kreativität, der Übung und dem Ausgangsmaterial des Denkens, dem Wissen. Letzteres bedingt den Unterschied zwischen Mutmaßen und Schlussfolgern.

Orientierung: Für Orientierung in der Welt der Information sorgt die Allgemeinbildung, für fachliche Urteilskraft die Fachbildung.

Kritik: Fundierte Kritik basiert auf Sachverstand und einer genauen Kenntnis der Thesen, Argumente und Ausgangspunkte der gegnerischen Position. Sie ist kein Geschmacksurteil im Sinne eines Likes (gefällt mir, gefällt mir nicht).

Schutz: Wissen macht immun gegenüber Irrlehren, Desinformation, Fake News, Propaganda, Marketingversprechen und Verschwörungstheorien. Deren Implausibilität sticht sofort ins Auge, da der Abgleich mit dem gespeicherten Tatsachenwissen keine Zeit kostet.

Relevanz: Die eigenen Gedanken in den Fachdiskurs einzubringen, sollte nur derjenige wagen, der aktuellen Themenstand überblickt. Um Bedeutung zu erlangen, muss der eigene Diskursbeitrag angebunden werden. Dies setzt viel Wissen und Rechercheanstrengungen voraus (s. Wissen > Schreiben).

Können: Deklaratives Wissen unterstützt das Denken, prozedurales Wissen unterstützt das Können. Können beruht auf dem Gewusst-Wie (Know-how). Beide Arten von Wissen werden im Studium geschult. Beispielsweise muss das Handwerkszeug des Experimentierens beherrscht werden, um im Labor empirische Erkenntnis erlangen zu können, die wiederum im Licht des aktuellen Stands der Forschung theoretisch einzuordnen ist.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Ideenfindung per KI, Informationsbeschaffung per KI.

Wissen > Lesen

Wissen unterstützt das Lesen.

Wer einen Fachtext aus einer unbekannten Disziplin zur Hand nimmt, wird große Schwierigkeiten haben, überhaupt zu verstehen, worum es geht. Umgekehrt gilt: Je mehr Wissen über den erwartbaren Inhalt und die Konventionen der Textgattung vorhanden ist, desto einfacher und gewinnbringender wird die Lektüre sein.

Verständnis: Texte sind adressatenorientiert geschrieben. Ihre Autoren* hatten einen bestimmten Adressatenkreis mit einem spezifischen Vorwissen, Verstehens- und Erwartungshorizont und spezifischen Vorlieben und Erwartungen im Blick. Nur wer zu diesem Adressatenkreis gehört, wird dem die Text die Botschaften entnehmen können, die dieser senden will. Der eigene Wissenstand bedingt daher die Anschlussfähigkeit des Textes und damit den Nutzen der Lektüre.

Textkritik: Um einen Text kritisch würdigen und beurteilen zu können, müssen sein Thesen verstanden und zum aktuellen Forschungsstand in Bezug gesetzt werden können. Beides setzt umfangreiches Wissen voraus.

Leseerfahrung: Das prozedurale Wissen darüber, wie man einen Text am besten liest und auswertet, erwirbt man durch die jahrelange Erfahrung mit diesen Tätigkeiten. Die eigene Fähigkeit zur Antizipation beim Lesen wird im Laufe der Zeit immer stärker verfeinert und kultiviert. Wer mit genauen Erwartungen hinsichtlich der Struktur, der Abschnittsinhalte, des Wortfeldes (auch in der Fachsprache Englisch), der intertextuellen Bezüge, der Ergebnisdarstellung usw. an einen Text herantritt, dem stechen dessen Erträge, aber auch dessen Schwächen und Unklarheiten, sofort ins Auge. Für die Lesefähigkeit trifft der „Matthäus-Effekt“ – war da hat, dem werde gegeben – in besonderem Maße zu: Vielleser empfinden keinerlei Anstrengung beim Lesen, es gleicht für sie einer Sinneswahrnehmung.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI.

Wissen > Schreiben

Wissen unterstützt das Schreiben.

Publikationen gibt es wie Sand am Meer. Ob man dieser Schwemme einen weiteren Tropfen hinzufügen möchte, sollte gut überlegt sein. Es lohnt sich nur, wenn der Erkenntnisfortschritt der Menschheit dadurch tatsächlich befördert wird. Um dies abschätzen zu können, bedarf es umfangreichen Wissens.

Relevanz: Der einzig legitime Zweck einer Veröffentlichung besteht darin, den Themendiskurs um Erkenntnisse anzureichern, die für die Fachleser neu und interessant sind. Es verbietet sich, bereits publizierte Inhalte wieder „aufzuwärmen“. Allein aus Prestigegründen zu publizieren, ist verantwortungslos, auch wenn manche glauben, einem dahingehenden Erwartungsdruck entsprechen zu müssen. KI-generierte Artikel stellen eine solche Form verantwortungslosen Recyclings dar, das das Weltwissen verwässert und durch Halluzinationen verunreinigt. Sie gefährden das Wissenschaftssystem in seinem Bestehen und weichen den Boden auf, auf dem unsere Wissensgesellschaft steht.

Fundament: Um etwas Mitteilenswertes zu Papier zu bringen und entscheiden zu können, ob der eigene Diskursbeitrag für die Fachkollegen* Relevanz besitzt, ist umfangreiches Wissen erforderlich. Der aktuelle Stand der Diskussion muss bekannt und verstanden sein. Dies setzt Rechercheanstrengungen, ein hohes Lesepensum, sorgsamen Umgang mit den Quellen und ein gutes Basiswissen voraus.

Know-how: Je geübter ein Autor* ist, je mehr er er gelesen hat und je mehr er über Sprache und Schreiben weiß, desto besser werden seine Texte sein. Schreibwissen, also Wissen zu Stil, Grammatik und Konventionen, unterstützt das Schreiben ganz konkret. Es umfasst deklarative und prozedurale Inhalte: Theoriewissen und praktisches Können.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Texterstellung per KI.

Lesen > Wissen

Lesen unterstützt das Wissen.

Lesen vermittelt neues und aktiviert vorhandenes Wissen. Der Wissenserwerb im Studium beruht auf der Lektüre von Fach- und Lehrwerken. Dabei kommen verschiedene Lesetechniken in Kombination zum Einsatz.

Orientieren: Durch das Überfliegen eines Textes (globales Lesen) wird schnell erkannt, worüber ein Text handelt und ob er für das eigene Forschungsinteresse relevant ist. Ein Beispiel wäre das Querlesen eines Klappentexts, um einen Eindruck zu erhalten, welche Bereiche das Buch abdeckt.

Suchen: Beim selektiven Lesen wird nach bestimmen Wörtern oder Themenfeldern gesucht. Ein Beispiel wäre eine Suche im Inhaltsverzeichnis eines Sammelbands nach Beiträgen zu einem bestimmten Thema.

Tiefes Lesen: Bei detaillierten Lesen (close reading) werden Textpassagen intensiv, d. h. mehrfach Wort für Wort gelesen und ausgewertet. Dabei wird das Gelesene genau durchdacht, im Text markiert, annotiert, kommentiert und exzerpiert und gegebenenfalls später im eigenen Text zitiert und diskutiert (siehe Schreiben > Wissen).

Wissenserwerb: Die Lerninhalte im Studium werden zum großen Teil aus Lehrwerken, Skripten und Fachtexten entnommen. Das vorhandene Wissen wird mit den neuen Informationen abgeglichen und um weitere Inhalte und Verknüpfungen erweitert.

Wissensfestigung: Beim Lesen wird nicht nur Neues erfahren, sondern auch Vorhandenes überprüft. Textaussagen, die bereits bekannt sind, werden innerlich „abgehakt“. Dazu muss das vorhandene Wissen hervorgeholt und abgeglichen werden. Infolgedessen wird es aktiviert und dadurch besser gespeichert.

Wissensrevision: Häufig stimmen nicht alle Textaussagen mit dem vorhandenen Wissen überein. Überall dort, wo sie von den eigenen Erwartungen abweichen, muss innerlich ausdiskutiert werden, welche These plausibler ist und ob die eigene Auffassung revidiert werden muss. Je nach Thema ist die argumentative Kraft des Vorgebrachten entscheidend, die Aktualität der Forschung oder der fachliche Hintergrund der Beteiligten.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI, Informationsbeschaffung per KI.

Lesen > Schreiben

Lesen unterstützt das Schreiben.

Die wichtigste Schule des Schreibens ist das Lesen. Dabei analysiert man, wie andere schreiben, und schaut sich – häufig unbewusst – deren Tricks und Methoden ab.

Implizites Lernen: Beim Lesen entnimmt man einem Text viel mehr als bloße Sachinformationen. Man nimmt nicht nur wahr, was dargestellt ist, sondern auch wie es dargestellt ist. In einem langsamen und überwiegend unbemerkt ablaufenden Lernprozess wird prozedurales Wissen darüber erworben, wie fachliches Schreiben funktioniert, man „schaut es sich ab“. Man baut seinen Fachwortschatz aus, lernt das Argumentieren und Zitieren und erwirbt Textsortenwissen, etwa zum Aufbau eines Fachtextes und die darin verwendeten sprachliche Mittel, die das Forschungshandeln wiedergeben (Prozeduren). Neben der fachlichen Enkulturation verbessert man seine Sprachbeherrschung und Rechtschreibkenntnisse.

Textanalyse: Die beschriebenen implizit ablaufenden Lernvorgänge können auch bewusst angeregt werden, indem die Machart eines Textes und die darin verwendeten sprachlichen Mittel gezielt analysiert werden, z. B. durch vorgegebene Fragen zu Stil und Darstellungsweisen des Textes. Stärken schaut man sich ab, Schwächen und Marotten lernt man zu vermeiden. Der analytische Blick sollte zur Routine werden. Er bildet auch die Grundlage für die sprachlich-stilistische Revision eigener Texte.

Inspiration: Die angelesenen Thesen und Inhalte fordern zur Diskussion heraus. Sie regen die Leser dazu an, selbst dazu Stellung zu beziehen und in eigenen Texten darauf Bezug zu nehmen, zustimmend oder kontrovers (siehe auch: Lesen > Wissen).

Rückmeldung: Ein fundiertes Feedback von Probelesern zu erhalten, ist die beste Schreibunterstützung, die man sich als Autor* wünschen kann. Das Feld der Verbesserungsmöglichkeiten ist weit und reicht von Sachfehlern und unplausiblen Argumenten bis hin zu stilistischen Ungeschicklichkeiten, etwa sich häufende Lieblingswörter und ‑konstruktionen, oder fehlerhafter Sprachgebrauch. Für die Schreibmotivation wichtig sind positive Feedbackanteile und konstruktive Kritik.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI, Texterstellung per KI.

Lesen > Denken

Lesen unterstützt das Denken.

Beim Lesen schaut man sich ab, wie andere denken. Man wird beeinflusst, angeregt und herausgefordert durch die Lektüre.

Information: Durch Lesen mehrt sich das Wissen und damit das „Denkmaterial“, die Ausgangsbasis des eigenen Denkens. Texte liefern Antworten auf eigene Fragen und Erklärungen für bisher Unverstandenes. Sie sind Lern- und Informationsmittel.

Inspiration: Beim Lesen erhält man eine Vielzahl an Denkanstößen. Teilweise geschieht dies auf der Textoberfläche, durch die vermittelten Sachinhalte, teilweise aber auch subtiler, durch Assoziationen, die der Text weckt, z. B. durch eine bestimmte Formulierung oder eine argumentative Struktur, die sich auf das eigene Thema übertragen lässt.

Herausforderung: Das Lesen kontroverser Texte fördert das kritische Denken, da ein beständiger Disput mit dem Text geführt werden muss. Das vorhandene Wissen muss infolge der neuen Erkenntnisse gegebenenfalls revidiert werden (siehe Lesen > Wissen).

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: KI-Textauswertung, Informationsbeschaffung per KI.

Lesen > Ethos

Lesen unterstützt das Ethos.

Ein gutes Buch oder ein aktueller Fachbeitrag gleicht einem inspirierenden Zwiegespräch mit dessen Autor*, es befruchtet den Geist und verändert ihn nachhaltig. Lesen ist ein wichtiger Faktor bei der Ausbildung von persönlicher und fachlicher Verantwortung.

Enkulturation: Durch das Lesen von Fachliteratur wird man zur Fachperson. Man übernimmt die besondere Art der Perspektive, Fragestellungen, Methoden und Ergebnissicherung seines Faches und erlernt die dafür typischen sprachlichen Prozeduren und Ausdrucksformen. Dieser Lernprozess geschieht explizit als bewusstes Erlernen und implizit als unbewusste Anverwandlung.

Bildung: Lesen bedeutet Horizonterweiterung. Ein belesener Mensch ist einer, der viele Aspekte der Wirklichkeit und der Fiktion kennengelernt und sich ein breites Wissen aufgebaut hat. Sein Geist in darin geschult, fremden Gedankengängen zu folgen. Seine angelesenen Kenntnisse ermöglichen ihm einen leichten Zugang zu Neuem.

Empathie: Herzensbildung ist ein Ergebnis jahrelanger Lektüre fiktionaler Literatur. Lesepersönlichkeiten sind erfahren darin, die Welt mit den Augen eines anderen zu sehen. Sie sind anderen Standpunkten gegenüber tolerant, denn sie wissen, dass auch Antihelden gute Gründe für ihr Handeln haben. Sie sind immun gegen Vorverurteilungen und Schwarzweißdenken.

Fantasie: Lesen erfordert von den Lesenden eine rege geistige Mitarbeit. Es ist ein aktiver, konstruktiver Prozess. Die Arbeit von Regie, Casting, Maske, Szenenbild usw., die aus einem Drehbuch einen Film werden lässt, ist beim Lesen der eigenen Fantasie überlassen. Jeder Lesende liest daher ein vollständig anderes Buch.

Sprachschatz: Lesen ist nicht nur das Dekodieren von Information, sondern auch das Vertiefen der eigenen Sprachfähigkeiten. Dies reicht vom Ausbau des Wortschatzes über das implizite Erlernen von Ausdrucksweisen bis hin zum ästhetischen Genuss am Sprachkunstwerk. Das akademische Lesen vermittelt die Fachsprache und das fachliche Denken.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI.

Denken > Wissen

Denken unterstützt das Wissen.

Die Erfahrung lehrt, dass Schulstoff, der am Vorabend der Klausur auswendig gelernt wurde, bereits einige Tage darauf nicht mehr abrufbar ist. Um Wissen zu festigen und zugänglich zu halten, muss es durch aktive Denkprozesse immer wieder erneut aus dem Langzeitgedächtnis hervorgeholt, angewendet, bearbeitet und revidiert werden. Nachhaltiges Lernen (deep learning) wird möglich durch Reflexion, Anbindung, Revision und Transfer.

Reflexion: Durch die gedankliche Bearbeitung – verstehen, durchdenken, hinterfragen, kritisch betrachten, diskutieren – wird aus Information Wissen. Die Schreibaufgaben im Studium sollen üblicherweise zur gedanklichen Durchdringung der Lerninhalte anregen.

Anbindung: Neue Informationen werden zu vorhandenem Wissen in Bezug gesetzt und an dieses angebunden. Lehrpläne basieren auf diesem Prinzip des beständigen Aufbaus von Wissen auf dem Fundament des vorhandenen.

Revision: Neue Informationen können das vorliegende Wissen in Frage stellen. Veraltete Wissensstände und falsche Annahmen müssen revidiert werden. Bei diesem Prozess sind innere Widerstände zu überwinden und Denkgewohnheiten abzulegen.

Transfer: Durch die gedankliche Übertragung in neue Kontexte wird Wissen aktiv genutzt und flexibel angepasst. Das akademische Schreiben und praktische Studienprojekte zielen auf solche Transferleistungen ab. Die erlernten Theorien und Modelle sind dabei auf konkrete Probleme und Fragestellungen anzuwenden.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI, Ideenfindung per KI.

Denken > Lesen

Denken unterstützt das Lesen.

Lesen ist der aktive Nachvollzug fremder Gedanken. Verschiedene kognitive Fähigkeiten werden dabei kombiniert, aufbauend auf basalen Prozessen der visuellen Wahrnehmung, Objekterkennung, Antizipation und statistischen Auswertung.

Neugier: Auch beim akademischen Lesen sollte der freudige Wunsch, Neues für sich zu entdecken, leitend sein. Neue Wissensfelder zu erschließen, ist nicht nur Studienziel, sondern persönlicher Gewinn.

Verstehen: Mit Tiefem Lesen (deep reading) ist das gedankliche Eindringen in den Text gemeint, das Durchdenken, Analysieren, Reflektieren und Inbezugsetzen zu vorhandenen Kenntnissen. Je größer das allgemeine und spezifische Wissen und die Erfahrung mit der Textgattung ist, desto leichter fällt das Verstehen. Dabei ist es hilfreich, den Text mehrmals zu lesen, Markierungen und Kommentare einzutragen, sich Exzerpte anzufertigen und die Textaussagen mit anderen zu diskutieren.

Kritisches Lesen: Eine kritische Haltung bei der Aufnahme von Information bedeutet einen beständigen Abgleich mit dem eigenen Wissen und den eigenen Erwartungen an den Text. Die Textaussagen werden hinterfragt, angezweifelt, überprüft und gegebenenfalls gedanklich zurückgewiesen. Bei dieser Plausibilitätsprüfung ist stets im Auge zu behalten, dass auch das eigene Wissen fehlerhaft sein kann. Dessen Quellen und die widerstreitende neue Position sind in Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit ergebnisoffen zu vergleichen.

Selbstbeobachtung: Metakognition beim Lesen bedeutet eine ständige Selbstüberprüfung daraufhin, ob sich Verständnis und Erkenntnis einstellen und ob die Lesemotivation und Konzentration noch ausreichend sind.

Lesedisziplin: Da die Konzentration gerne schwindet und die Aufmerksamkeit leicht abwandert, gilt es, sich Lesedisziplin aufzuerlegen, sofern das anfängliche Interesse an der Lektüre nicht etwa zu Recht abgeflaut ist, weil der Inhalt nicht hält, was der Titel versprach. Um das selbst auferlegte Lesepensum zu bewältigen, ist es hilfreich, potenzielle Störungsquellen abzustellen, angenehme Bedingungen zu schaffen und dauerhafte Leseroutinen für sich zu entwickeln.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI, Informationsbeschaffung per KI.

Denken > Schreiben

Denken unterstützt das Schreiben.

Beim Schreiben sollte sowohl der Schreibprozess als auch das Schreibprodukt geordnet und durchdachtsein.

Textlogik: Das Produkt des Schreibens, der Text, sollte sich durch eine stringente Argumentation auszeichnen (Roter Faden). Der Text sollte in sich zusammenhängend sein (Kohärenz) und frei von Widersprüchen (Konsistenz). Die wiedergegebenen Fakten und Positionen sollten klar abgegrenzt sein von den eigenen Argumenten und Schlussfolgerungen.

Schreibstrategien: Ein strukturiertes Herangehen an das Schreiben umfasst die praktischen Vorarbeiten, die Recherche und Stoffsammlung, die Grob- und Feingliederung, die Quellenarbeit, die Niederschrift und die Überarbeitung. Schreibstrategien bereiten das Feld für die Schreiberkenntnis und die Entfaltung des schöpferischen Denkens beim Schreiben.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Gliederungsvorschläge per KI, Ideenfindung per KI, Texterstellung per KI, Textbearbeitung per KI.

Denken > Ethos

Denken unterstützt das Ethos.

Die vielfachen Impulse zum Nachdenken, die das Studium bietet, formen den Geist, erweitern das Wissen und schulen das Denkvermögen. Parallel dazu entwickelt sich das Ethos, verstanden als Gesamthaltung, Persönlichkeit und Verantwortungsbewusstsein. Es ist die Basis der Verantwortungsübernahme in Bezug auf Beruf, Gesellschaft, Wissenschaft, Umwelt und das eigene Lebensglück.

Reflektiertheit: Reflektierte Menschen überlegen, bevor sie handeln. Sie begründen ihre Urteile argumentativ und treffen informierte Entscheidungen. Sie schätzen die Plausibilität von Informationen ein, indem sie sie zu ihrem Orientierungswissen (Weltwissen und Fachwissen) in Bezug setzen. Sie überprüfen die Herkunft von Informationen und beurteilen die Güte der Quellen.

Geistige Beweglichkeit: Akademisch geschultes Denken basiert auf deklarativem Wissen (Sachinhalte) und prozeduralem Wissen (Vorgehensweisen, Können). Es umfasst implizit und explizit erlernte Denkfähigkeiten. Diese ermöglichen ein schöpferisches Weiterdenken der Erlernten und die Entwicklung eigener, neuer Ideen.

Selbstreflexion: Reflektierte Menschen analysieren beständig ihre Beweggründe, Haltungen und Emotionen. Sie üben Selbstkritik und versuchen, ihr Verhalten mit ihren Werten und Überzeugungen in Einklang zu bringen. Sie sind kritikfähig und bereit, an sich zu arbeiten.

Wissenschaftlichkeit: Akademisch geschulte Menschen wissen, mit welchen Methoden in ihrem Fach Erkenntnis gewonnen, überprüft, gesichert und weitergegeben wird. Sie bemühen sich um professionellen Abstand, Nüchternheit, Aufrichtigkeit, Unbestechlichkeit und Vorurteilslosigkeit.

Kritischer Geist: Aussagen stets zu überprüfen, sollte für Akademiker selbstverständlich sein, insbesondere dann, wenn diese der eigenen Auffassung widersprechen. Stellen sich Behauptungen als nicht zutreffend oder fehlerhaft heraus, sollten sie fachöffentlich mit sachlichen Argumenten zurückgewiesen werden. Dabei geht es um die Sache und nicht um Rechthaberei oder Geltung.

Bescheidenheit: Das Studium macht bescheiden, denn es vermittelt einen Eindruck vom beständig anwachsenden Ozean des Wissens, von dem immer nur ein kleiner Teil bekannt sein kann. Akademisch geschulte Menschen erkennen an, dass sie in den meisten Fragen auf die Expertise ihrer Fachkollegen* angewiesen sind.

Selbstoptimierung: Der Ausbau des Denkvermögens im Studium, der mündlich und schriftlich seinen Ausdruck findet, basiert auf jahrelanger Erprobung, Einübung, Feedbackentgegennahme, Fehlerkorrektur und Vervollkommnung. Er kostet Zeit und Mühe und lässt sich nicht abkürzen. Zur Aufrechterhaltung der geistigen Fähigkeiten sind eine kontinuierliche Anwendung und ein beständiger weiterer Ausbau notwendig (Lebenslanges Lernen). Für diese Prozesse der Selbstoptimierung ist jeder Mensch selbst verantwortlich.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Ideenfindung per KI, Informationsbeschaffung per KI.

Ethos > Lesen

Das Ethos unterstützt das Lesen.

Verantwortungsvolles Lesen heißt sowohl, seine Lektüre sorgsam zu wählen als auch die entnommene Information sorgsam zu verwenden.

Qualitätsbewusstsein: Die Quellenbewertung bezieht sich auf die Relevanz für das eigene Forschungsanliegen und Gütekriterien wie Aktualität, wissenschaftliches Niveau, Reputation der Autoren* und Publikationsorgane.

Quellenauswahl: Jeder Leser* trägt eine Eigenverantwortung bei der Wahl seiner Lektüre. Die Herkunft der Quellen ist sorgsam zu prüfen, um einschätzen zu können, wie zuverlässig die Textaussagen sind bzw. wie hoch das Risiko von Fehl- und Desinformation. Echokammern sind bewusst zu meiden und widerstreitende Positionen bei der Quellenwahl einzubeziehen, sofern sie wissenschaftliche Standards erfüllen.

Lesedokumentation: Bereits beim Lesen ist der spätere respektvolle Umgang mit den Quellen vorzubereiten. Die Erfüllung der Nachweispflicht beruht auf einer sorgfältigen Stoffsammlung und fortwährenden Dokumentation in einer Literaturkartei, in der Exzerpte, bibliografische Daten und eigene Kommentare festgehalten sind und Sorge dafür getragen wird, dass sich eigene und fremde Gedanken nicht vermischen.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI, Informationsbeschaffung per KI.

Ethos > Denken

Das Ethos unterstützt das Denken.

Die Gedanken sind frei und sollten nicht durch ein moralisches Korsett begrenzt werden. Dennoch gilt es, sich beim Nachdenken selbst zu beobachten, Fallstricke zu vermeiden und einige Leitplanken zu setzen.

Aufrichtigkeit: Nachdenken sollte sachorientiert und ergebnisoffen geschehen. Die eigene Emotionalität sollte als Faktor wahrgenommen werden, der das Denken beeinflusst. Voreingenommenheit und Vorurteile sind zu erkennen und zu überwinden. Dazu ist viel Aufrichtigkeit nötig, Demut und echtes Interesse an neuen Erkenntnissen.

Streitkultur: Gedankliche Radikalität ist hilfreich und erwünscht, sie dient der Zuspitzung des Arguments. Es ist wichtig, dabei die Trennung von Sache und Person im Auge zu behalten. Die Freiheit des Denkens und Kritisieren darf die grundsätzlich freundliche, faire und respektvolle Haltung gegenüber den Diskursgegnern nicht beeinträchtigen.

Selbstschutz: Fairness sollte auch bei der Selbstkritik leitend sein. Diese sollte nicht in Autoaggression umschlagen. Der eigenen Person, ihren Schwächen und Begrenztheiten mit Verständnis zu begegnen, sollte die Basis des Nachdenkens über die eigene Person sein.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Informationsbeschaffung per KI, Ideenfindung per KI.

Ethos > Schreiben

Das Ethos unterstützt das Schreiben.

Schreiben und Publizieren ist ein sozialer Akt, der von Verantwortung für die Sache, die eigene Person und die Diskursgemeinschaft geprägt sein sollte.

Zuschreibbarkeit: Jede Aussage eines akademischen Textes muss in ihrer Herkunft und Datengrundlage transparent und nachvollziehbar sein. Eigene und fremde Leistungen sind klar zu trennen. Der exakte Nachweis der Provenienz jeder Textaussage und Angabe wird durch die Einhaltung der Zitierstandards gewährleistet.

Sachlichkeit: Schreiben bietet die Möglichkeit, die eigenen Einsichten einem größeren Publikum vorzutragen, als man es im direkten Kontakt erreichen könnte. Das Ethos sorgt dafür, dass man sich bei der Diskursteilnahme dennoch auf jene rhetorischen Mittel beschränkt, die der Klarheit und Deutlichkeit des Dargestellten dienen, und auf jene verzichtet, die aufmerksamkeitsheischend, suggestiv oder polarisierend wirken.

Wahrhaftigkeit: Akademische Redlichkeit ist die Grundlage jeder Wissenschaft. Die Exaktheit und Korrektheit aller Angaben kann durch Dritte, etwa durch die Qualitätskontrollen eines Peer-Reviews oder einer Plagiatskontrolle, nur grob geprüft werden. Die eigentliche Verantwortung liegt bei den Forschenden. Sie treffen ihre Aussagen „nach bestem Wissen und Gewissen“.

Relevanz: Es liegt in der Eigenverantwortung der Autoren*, ihr Fachwissen auf dem neusten Stand zu halten und somit die Relevanz ihres Beitrags gewährleisten zu können. Ihr Diskursbeitrag sollte nicht nur korrekt und wahrheitsgetreu, sondern auch sinnvoll und bereichernd für ihre Leser sein.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Texterstellung per KI, Textbearbeitung per KI.

Schreiben > Denken

Schreiben unterstützt das Denken.

Schreiben dient dem Festhalten, Entwickeln und Weitergeben von Gedanken. Fachkenntnisse werden im Studium schreibend erworben. In gewisser Hinsicht sind die Ausdrücke „studieren“ und „schreiben“ fast gleichbedeutend, sofern noch die Schreibvorbereitung, nämlich das Lesen, hinzugedacht wird.

Fixierung: Durch Notizen lassen sich Gedanken, die ihrer Natur nach flüchtig sind, einfangen und festhalten. Sind sie einmal aufs Papier gebracht, können sie nicht vergessen, sondern archiviert und weiterverwendet werden. Dokumentation ist die vielleicht naheliegendste Funktion des Schreibens, beginnend mit dem Einkaufszettel und der Telefonnummer.

Zuspitzung: Eine schriftliche Fassung von Gedanken erzwingt eine Präzisierung und Prägnanz, die beim bloßen Nachdenken, aber auch beim Sprechen, nicht erreicht wird. Hierbei spielt die Verwendung von Fachsprache eine Schlüsselrolle, da Fachbegriffe anders als die Alltagssprache randscharf definiert sind und eine präzise Bezeichnung des Gemeinten ermöglichen.

Sortierung: Indem Gedanken schriftlich in eine Form gebracht werden, die sie in Bezug zueinander setzt und Abhängigkeiten und Hierarchien darstellt, wird aus dem Wust im Kopf ein System, ein Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Systematik, Theorie- und Modellbildung.

Fortentwicklung: Gedanken formen sich dadurch aus, dass sie in Worte gefasst und zu Papier gebracht werden. Im nächsten Schritt lassen sie sich umwenden, problematisieren, vertiefen, ausbauen, ausarbeiten und weiterschreiben. Die Arbeit am eigenen Text setzt das schöpferische Denken frei, es vollzieht sich im Ringen mit den Worten und Ideen. Diese Auseinandersetzung mit dem Stoff ist ein kreativer, aufregender, langwieriger und manchmal auch mühseliger Weg, der Sackgassen, Irrwege, Zirkel und komplexe Verästelungen aufweisen kann.

Schreiberkenntnis: Das epistemische Schreiben, das Denken auf dem Papier/Bildschirm, ist die Grundlage des Erkenntnisfortschritts und Wissenszuwachses im Studium. Die Abschlussarbeit bezeugt die nun vorhandene Fähigkeit, in schriftlicher Form und unter Verwendung der geeigneten Methoden fachliche Erkenntnis zu gewinnen.

Denktraining: Schreiben ist eine Methode, mit der sich die Ausformung und kreative Hervorbringung eigener Gedanken einüben lässt. Je häufiger das Training, desto stärker und nachhaltiger der Effekt. Schreibaufgaben im Studium (writing across the curriculum) sind ein wichtiges Mittel, Problemlöserfähigkeiten und gedankliche Flexibilität zu erlangen.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Ideenfindung per KI, Gliederungsvorschläge per KI, Texterstellung per KI, Textbearbeitung per KI.

Schreiben > Lesen

Schreiben unterstützt das Lesen.

Niemals ohne Stift lesen! In vielfacher Hinsicht wird das Leseverstehen durch schriftliche Ergänzungen befördert.

Markieren: Es gilt, beim Lesen die Stelle, an der eine Textaussage am besten auf den Punkt gebracht wird, optisch hervorzuheben, um sie bei der späteren Auswertung und Verwendung der Quelle wiederzufinden. Dieser Vorgang ist keineswegs trivial und kann erst beim zweiten Lesen erfolgen, da dann alle konkurrierenden Stellen bekannt sind.

Annotieren: Eigene Kommentare und symbolische Kennzeichnungen in den Text einzufügen, dient der Dokumentation des Leseverstehens, das seiner Natur nach flüchtig ist. Festgehalten wird dabei auch das Ergebnis des kritischen Lesens, der Fragen an den Text, der Zweifel sowie mögliche Erwiderungen und weiterer Recherchebedarf.

Exzerpieren: Die für das eigene Forschungsanliegen relevanten Textinhalte „herauszuklauben“ (lat. excerpere), ist eine wichtige Teilkompetenz des akademischen Lesens. Es geht dabei einerseits um das Auffinden der Stellen im Text, das „Rosinenpicken“, und andererseits um die Kunst der Komprimierung. Beim Zusammenfassen von Inhalten ist es von größter Wichtigkeit, die eigenen Gedanken von der Wiedergabe des Gelesenen getrennt zu halten und im Rahmen einer Literaturkartei getrennt zu dokumentieren.

Feedback: Inhaltliche Rückmeldung zu fremden Texten zu geben, setzt deren genaue Lektüre und eine vertiefte gedankliche Auseinandersetzung mit den Textaussagen voraus. Feedback sollte fundiert und konstruktiv sein, doch selbst wenn es dies nicht ist, kann es hilfreich sein, z. B. um potenziell missverständliche oder ungewollt provokante Stellen aufzudecken.

Zitieren: Ziel der wissenschaftliche Textauswertung ist eine weitere Form des Schreibens, nämlich das wörtliche oder sinngemäße Zitieren im eigenen Text, das eine argumentative Bezugnahme auf die referierten Inhalte ermöglicht. Diese kann verschiedenen Zwecken dienen, z. B. der Faktensicherung oder der Herleitung, Anbindung, Unterstützung und Glaubwürdigkeitssteigerung der eigenen Argumentation, aber auch der Auseinandersetzung und Abgrenzung zu einer gegnerischen Position im Sinne einer öffentlichen Replik. Zweck des wissenschaftlichen Schreibens ist die Diskursteilnahme, getragen von der Hoffnung, andere zum Nachvollzug der eigenen Gedanken anzuregen.

Macherperspektive: Wer viel schreibt, liest mit anderen Augen. Textsortenwissen erwirbt man nicht nur durch Lesen, sondern auch durch das Verfassen dieser Textsorten. Dieses lässt einen wiederum als Leser* auf Details und Besonderheiten achten, die jemandem, der die Macherperspektive selbst nicht kennt, nicht auffallen würden.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Textauswertung per KI, Informationsbeschaffung per KI, Texterstellung per KI.

Schreiben > Wissen

Schreiben unterstützt das Wissen.

Wissen wird im Studium schreibend erworben und gefestigt. Dies gilt für Theoriewissen und Fachkenntnisse (deklaratives Wissen) ebenso wie für fachliches Können und Know-how (prozedurales Wissen).

Festhalten: In Mitschriften aus Studienveranstaltungen und den Exzerpten aus gelesenen Texten sammelt sich an, was es zu lernen und zu wissen gilt.

Sortieren: Parallel zum Redigieren, Umformulieren und Zusammenfassen der eigenen Notizen und Exzerpte ordnet sich das Wissen im Kopf.

Lernmethode: Wissen muss durch aktive Verarbeitung verankert und abrufbar gemacht werden. Dazu ist Schreiben ein probates Mittel, wie vielen bereits aus der Schule bekannt ist (writing to learn). Durch Schreiben, insbesondere handschriftliches Schreiben, kann man Lerninhalte ins Gedächtnis „einschreiben“.

Implizites Lernen: Indem Textsorten, Prozeduren und Ausdrucksweisen schreibend nachgeahmt werden (Imitationslernen), übernimmt man unbemerkt die Denkkultur, die diese Sprachformen geprägt hat. Indem etwa ein Laborbericht verfasst wird, wird die zugrundeliegende Forschungshandlung verstanden und eingeübt. Bei Fachtextgattungen bedeutet dies eine Enkulturation ins Fach, eine unbemerkte Anverwandlung und dauerhafte Formung des eigenen Geists. Aus Studierenden werden Fachleute.

Schreiberkenntnis: Das epistemische Schreiben, das Denken auf dem Papier/Bildschirm, ermöglicht einen Wissenszuwachs von innen heraus. Die bereits angelesenen Wissensinhalte werden dabei kreativ verknüpft und produktiv erweitert.

Komplettierung: Beim Schreiben fallen die eigenen Wissenslücken auf. Schnell merkt man, worüber man nur Halbwissen besitzt und weiterer Recherchebedarf besteht. Vieles muss man nachschlagen und überprüfen, bevor man es zu Papier bringen kann, insofern fördert das Schreiben die Komplettierung des eigenen Wissens.

Kommunikation: Zu Papier gebrachte Erkenntnisse lassen sich teilen. In der Wissenschaft dient das weltweite Publikationssystem zur Mehrung und Verbreitung des Weltwissens. Im Lehrbetrieb sind es die Lehrmaterialen, Skripte und Handouts. Im beruflichen und privaten Umfeld existieren zahllose schriftliche Kommunikationskanäle. Durch seine kommunikative Kraft ist Schreiben ein sozialer Akt zwischen zwei oder mehr Personen. Dabei sind Konventionen und Erwartungen zu beachten, die sich aus Faktoren wie dem Schreibanlass, dem Gegenstand, der Textgattung, dem Zielpublikum und der verfolgten Absicht ergeben und die stilistische Angemessenheit eines Textes bedingen.

Mündlichkeit: Rhetorisches Geschick beruht auf Übung, prozeduralem Wissen über gelingende Kommunikation und nicht zuletzt guten Manuskripten. Mündliche Kommunikationskompetenz gilt als berufs- und zukunftsrelevant, während das Schreiben in den einschlägigen Sammlungen von „Future Skills“ meist keine Erwähnung findet. Übersehen wird dabei das Primat des Schreibens im akademischen Kontext: Mündlichkeit baut dort auf Schriftlichkeit auf. Professionelle Vorträge, Präsentationen und Redebeiträge geschehen nicht aus dem Stegreif, sondern stützen sich auf schriftliche Notizen und Ausarbeitungen. Begleitend kommen Schriftformen wie Vortragsfolien, Skripte und Handouts zum Einsatz.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Texterstellung per KI, Textbearbeitung per KI, Ideenfindung per KI, Gliederungsvorschläge per KI.

Schreiben > Ethos

Schreiben unterstützt das Ethos.

Die Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs bedeutet eine schriftliche Festlegung Positionierung. Die eigene Haltung und Werte werden im Zuge des Schreibens ermittelt und reflektiert. Aus diesem Grund ist Schreiben persönlichkeitsbildend.

Positionierung: Im Zuge des Schreibens und Publizierens entwickelt man seine Haltung zu einem Thema. Schreiben ist erkenntnisfördernd und meinungsbildend. Wissenschaftliches Publizieren bedeutet, die eigenen Thesen der weltweiten Diskursgemeinschaft zur kritischen Beurteilung vorzulegen. Man lernt, Verantwortung für seine Position zu übernehmen und Gegenwind auszuhalten.

Schreibstimme: Im Schreiben drückt sich die Autorenpersönlichkeit aus, die eigenen Überzeugungen und Werte klingen mit, die „Schreibstimme“ wird hörbar. Je subjektiver die Textgattung (z. B. Lyrik), desto deutlicher die Färbung. Doch auch Sach- und Fachtexte tragen die „Handschrift“ des Autors*, auch wenn er sich zu bemüht, hinter seinen Gegenstand zurückzutreten. Unsichtbar ist er dennoch nicht.

In diesem Kontext potenziell schädlicher KI-Gebrauch: Texterstellung per KI, Textbearbeitung per KI.

Kompetenzrelationen (Kantenbeschriftungen als Liste)

Ethos > Denken
Ethos > Lesen
Ethos > Schreiben
Schreiben > Ethos
Schreiben > Denken
Schreiben > Lesen
Schreiben > Wissen
Lesen > Ethos
Lesen > Schreiben
Lesen > Denken
Lesen > Wissen
Denken > Ethos
Denken > Schreiben
Denken > Lesen
Denken > Wissen
Wissen > Schreiben
Wissen > Lesen
Wissen > Denken

Zuordnung der KI-Nutzungsarten zu den Kompetenzrelationen

Informationsbeschaffung per KI

KI-Textauswertung

KI-Gliederungsvorschläge
Ideenfindung per KI
KI-Texterstellung
KI-Textbearbeitung

Schädliche KI-Nutzungsfolgen

Desinformation
Lernverhinderung
Kompetenzillusion
Technikabhängigkeit
Verfügbarkeitsillusion
Fehlender Biss
Kompetenzschwund
Kreativitätshemmung
Beeinflussung
Verfälschung
Verflachung
Beeinträchtigte Autorschaft
Unrechtsgefühl
Vermindertes Selbstwertgefühl
Bedeutungsentwertung von Bildungsabschlüssen
Demokratiegefährdung
Fortschrittslähmung
Ökologische Gewissensbisse
Soziale Gewissensbisse
Mitschuld am Berufesterben
Maschinenglaube
Vertrauensseligkeit
Emotionale Abhängigkeit
Phantasmatische Zukunftsangst
Realistische Zukunftsangst

Fehlen im Kompetenzmodell Aspekte? Wurden bestimmte Auswirkungen des KI-Gebrauchs noch nicht berücksichtigt? Die Autorin freut sich über Ihre Hinweise und Rückmeldungen! Anders als eine Buchpublikation ist dieser Beitrag ständig erweiterbar. Bitte Nachrichten an: oertner@oertner.net

Autorschaft, Idee und technische Umsetzung: Dr. Monika Oertner, Konstanz, 2026.

Inspiration und Austausch im Netzwerk der Schreibzentren in Baden-Württemberg, insbesondere mit Dr. Jochen Berendes, Karlsruhe; Florian Elben M. A., Schwäbisch Gmünd; Dr. Carina Gröner, St. Gallen; Thomas Heintz, Karlsruhe; Anna-Maria Wenzel-Elben M. A., Stuttgart, und dem Schreiblabor des KIT. Technische Unterstützung: Dipl.-Psych. Joern Bach, Konstanz; Tibi von Future Web Design, London. Wichtiger Hinweis: Die kollegiale Unterstützung durch die genannten Personen und Institutionen besagt nichts über deren eigene Positionierung zum Thema KI, die fallweise stark abweichend ist. Die Autorin dankt herzlich für die konstruktive Zusammenarbeit in den Jahren 2025 und 2026, ohne die dieses Projekt nicht realisiert worden wäre. Mehr zum Entstehungshintergrund verrät das Begleitwort.
*Genderhinweis: Die hier verwendete Methode, Geschlechtergerechtigkeit beim Schreiben anzudeuten, ist das Wache Maskulinum.
Alle Inhalte dieser Webseite wurden KI-frei erstellt.
Bibliografische Angaben: Oertner, Monika (2026): Akademische Basiskompetenzen. Ihr empfindliches Zusammenspiel und ihre Gefährdung durch KI-Gebrauch, dargestellt im 3D-Modell, URL: www.akademische-basiskompetenzen.de, Abrufdatum